„Verwandlungen“: Leben, Tod und Tanz

Das Ballett „Verwandlungen“ am 16. September 2026 bewies wieder einmal die Präzision und Klasse unseres Ballettensembles. Der zweiteilige Abend mit Tanzstücken der Choreografenduos Imre und Marne van Opstal sowie Sol León und Paul Lightfoot kreiste um die Themen Tod, Trauer und Leben. Beide Stücke gehen dabei ganz unterschiedlich vor.

„I’m afraid to forget your smile“ von Imre und Marne van Opstal zeigt gegossen in Tanz die Gefühle, die Menschen bewegen, wenn jemand gestorben ist: Kummer, Leid, Verzweiflung, Wut, tiefe Trauer, Erstarrung. Sechs Tänzerinnen und Tänzer in hautfarbenen, engen Kostümen, fast nackt im Angesicht des Todes. Oft kämpfen sie sich aus liegenden Positionen in komplexen Hebefiguren hervor, finden sich in Posen zusammen, die an griechische Statuengruppen erinnern. Kurz erstarren diese Positionen, bilden dann wirklich bildhauerische Bilder.

All dies findet im einem viereckigen Raum statt, nur erhellt von zwei Lichtbändern. Bänke begrenzen den Raum. Mich erinnerte das sofort an eine riesige Andachtshalle auf einem Friedhof. Getanzt wird zu zeitgenössischer A-cappella-Chormusik, die sich zu einem meditativen Requiem zusammenfügt. In den ganzen 35 Minuten ändert sich diese dunkle, hoffnungslose Stimmung nicht, wir sind in einem sich ins Unendliche ausdehnendem, zeitlosen Raum der Trauer. Zum Kyrie Eleison des Schlusses reihen sich alle Tänzerinnen und Tänzer in einer Reihe auf, schauen hinein ins Licht. Ist da Hoffnung?

Nach der Pause behandelt „Schmetterling“ von Sol León und Paul Lightfoot die Themen Trauer und Tod ganz anders, mit mehr Humor bei aller Tiefgründigkeit. Ein junger Mann wird mit dem langsamen Sterben seiner Mutter konfrontiert. In mehreren Abschnitten tanzen sie zusammen zu meditativer Musik von Max Richter, begleitet von zwei Tänzern in schwarz, zwei Todesboten. Das sind wunderbar poetische Soli und Pas de Deux. Immer wieder wird dies von Szenen voller hintergründiger Komik unterbrochen. Acht Tänzerinnen und Tänzer huschen aus einer Art Portal aus der abgehängten Hinterbühne hervor, füllen die Bühne mit quirligem Leben, in tollen Soli und Ensembles voller Witz. Die Musik aus dem Album „69 Love Songs“ der Band „The Magnetic Fields“ bildet hier einen wunderbaren Kontrast zur Musik von Max Richter.

Die Hinterbühne öffnet sich langsam immer mehr, eine nächtliche Landschaft erscheint. Zum Schluss verschwindet auch diese Landschaft. Die Todesboten geleiten die Mutter in das Dunkel des Hintergrunds, entführen sie aus dem Tanz mit ihrem Sohn. Die Gestalten des Lebens sind währenddessen in den Orchestergraben herabgesunken. Das ist sehr berührend.

Dieser Abend zeigte mal wieder, wie wandlungsfähig und großartig das hannoversche Ballettensembles ist. Goyo Montero hat eine wunderbare Truppe zusammengestellt, die alle tänzerischen Herausforderungen scheinbar mühelos und immer poetisch und anrührend umsetzen kann. Das Publikum im sehr gut besetzten Haus belohnte das verdient mit langem Beifall.

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