Schüler:innenkritiken 2025/26

In jeder Spielzeit bekommen Schüler:innen durch die GFO die Möglichkeit, Inszenierungen der Staatsoper Hannover zu besuchen. Drei Jahre lang heißt es jeweils sechs Mal pro Spielzeit: „Tatort Oper“. Ziel des Jugendförderprogramm ist es, Jugendliche in die Oper und mit Musiktheater in Kontakt zu bringen. Hier berichten sie von den Aufführungen, die sie gesehen haben.

 

Kritiken zum Musical „Anything goes“

Das Musical „Anything Goes“ aus dem Jahr 1934 wurde von Russel Crouse und Howard Lindsay geschrieben. Die Musik und die Gesangstexte stammen von Cole Porter.
Es geht um den jungen Billy, den Assistenten eines Börsenmarklers, welcher hoffnungslos in die bereits verlobte Hope verliebt ist. Hope steht kurz vor ihrer ungewollten Hochzeit mit dem reichen Engländer Sir Evelyn Oakleigh, der sie und ihre Mutter aus der finanziell schwierigen Lage bringen soll. Um an sie heranzukommen schleicht er sich auf das Schiff, mit welchem sie, aber auch sein Chef, von New York nach London fahren. Dort begegnet er u.a. seiner guten Freundin und Nachtclubsängerin Reno Sweeney, die ihm zu seiner Liebe verhilft. Auch an Board ist der kriminelle Moonface Martin, der sich später als Priester ausgibt. Insgesamt zeigt das Musical so, dass Liebe, auch wenn sie unmöglich scheint, gewinnt.

„Anything Goes“ startet mit einem, von dem Orchester gespielten, Medley der Songs, sodass die folgenden Melodien bereits bekannt wirken. Die Zuschauer*innen werden so sanft in die Stimmung des Musicals eingeführt.

Auch der Schauplatz beeindruckt von Anfang an. Was anfangs wie eine unscheinbare Bar wirkt, entpuppt sich als drehendes Schiff. So werden große Umbauten der Bühne kreativ umgangen und man fühlt sich fast so, als würde man einen Film gucken.

Der Gesang der Darsteller*innen begeistert das Publikum. Besonders sticht hier Bettina Mönch, die Reno Sweeney spielt, hervor, welche am Ende tobenden Applaus erhielt. Sie zeigt sich fassettenreich, indem sie auch in Federkostüm einen faszinierenden Showtanz hinlegt. Die Choreographien passen gut zur Musik und v. a. der Stepptanz im Finale der ersten Hälfte überrascht und reist das Publikum mit.

Obwohl das Musical fast 100 Jahre alt ist, bleibt die Musik im Kopf und auch beim Rausgehen hörte man Leute, die die Musik noch weiter sangen. Noch heute erinnern wir uns an sämtliche Melodien. Der Wechsel zwischen englischen und deutschen Songtexten war allerdings teilweise gewöhnungsbedürftig. Hier wäre es schöner, wenn alle Songs (oder sogar das ganze Musical) auf Englisch gewesen wären.

Zusammenfassend mögen wir die Message des Musicals sehr, da es thematisiert, dass alles möglich ist und Liebe keine Grenzen kennt. Die Inszenierung des Niedersächsischen Staatstheaters Hannover zeigt diese deutlich und hat positiven Eindruck hinterlassen. Auch das Publikum schien diese Meinung zu teilen, da das Musical „Anything Goes“ mit großen Applaus endete.

Anna und Erik vom Ratsgymasium Peine

 

Wir haben uns am 18. 12. 2025 das Musical Anything Goes im Rahmen der Tatort Oper AG in der Staatsoper Hannover angeschaut und es hat einen bleiben Eindruck erzeugt. Durch das Überfliegen des Programmheftes im Vorhinein sind einige Erwartungen entstanden, die sich zum Großteil erfüllt haben. Andererseits gibt auch ein paar Aspekte, die wir in der Inszenierung kritisieren könnten.

Eine unserer Erwartungen, die durch das Programmheft und ein vorheriges Informieren
über das Musical entstanden sind, war ein amüsantes Musical mit guter Musik aus dem
frühen bis mittleren 20. Jahrhundert. Wir haben zudem eine ansprechende Kulisse mit gut dargestellten Figuren erwartet. Diese Erwartungen wurden im vollen Umfang erfüllt. Die sich drehende Kulisse eines älteren, verrostenden Kreuzfahrtschiffes hat uns besonders gefallen, da sie Dynamik im Bühnenbild erzeugt hat. Die Darstellerinnen und Darsteller und ihre gespielten Charaktere haben uns auch sehr überzeugt. Besonders gefallen hat uns der Charakter von Moonface Martin und die Darstellungsleistung von seinem Darsteller Dirk Schäfer, die uns immer wieder zum Schmunzeln brachte. Außerdem konnte man der Handlung sehr gut folgen, was unter anderem durch die chronologische „Passagierliste“ im Programmheft unterstützt wurde.

Ein paar wenige Dinge können wir jedoch kritisieren: Da das Original Musical auf Englisch ist, ist es sehr sinnvoll die Dialoge und auch die Liedtexte für ein besseres Verständnis für jedermann zu übersetzen. Allerdings war es für uns nicht nachvollziehbar und recht merkwürdig, dass ein paar wenige Liedzeilen unübersetzt geblieben sind und somit zwischendurch die Sprache gewechselt hat. Dazu kam es bei der Obertitel Anzeige öfters zu leichten Verschiebungen, sodass der englische Text für uns kaum verständlich war.

Zuletzt ist die Analogie der heutigen Aktualität, die im Programmheft beschrieben wird, zu
dem abgewrackten Kreuzfahrtschiff im Musical kaum erkenntlich und nur durch das
Programmheft nachvollziehbar. Insgesamt hat uns unser Besuch von „Anything Goes“ sehr gefallen. Das Musical war sehr unterhaltsam und hinterlässt definitiv einen lang anhaltenden Eindruck in unseren Köpfen.

Laura und Joanna vom Ratsgymnasium Peine

 

Alles geht — Warum Anything goes ein zeitloser Klassiker ist

Das Musical „Anything goes“ ist ein Stück von Cole Porter, das seine triumphale Uraufführung 1934 im Alvin Theatre am Broadway hatte. Es ist eine Komödie, in der es hauptsächlich um soziale Schichten, Missverständnisse und Verwechslungen sowie kleinere Gaunereien an Bord des Ozeandampfers MS America geht. Auf dem Weg von New York nach London findet sich eine bunte Mischung der Gesellschaft der 1930er-Jahre wieder. Mit dabei sind unter anderem die Nachtclubsängerin Reno Sweeny, der junge Börsenmakler-Assistent Billy Crocker, die junge Erbin Hope Harcourt und Moonface
Martin, „Staatsfeind Nr. 13“, ein Ganove, der gar nicht so boshaft ist, wie er vorgibt zu sein.

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als sich Billy Crocker als blinder Passagier an Bord schleicht, mit dem Ziel, Hope Harcourt, seine große Liebe, davon abzuhalten zu heiraten. Jedoch ist sein Chef ebenfalls auf dem Schiff und hatte Crocker ausdrücklich verboten mitzukommen. Um sich vor seinem Chef zu verstecken, verkleidet sich Crocker – erst als Matrose, schließlich als Gangster. Um Crocker auf seiner Mission zu helfen, versucht Sweeny Hopes Verlobten zu verführen, damit Crocker freie Bahn hat. Weitere Unterstützung tritt in Form von Moonface Martin auf. Der als Priester getarnte Ganove stellt sich schnell als tatkräftiger Helfer heraus. Mit seinen Tricks und seiner unzweifelhaften Loyalität Crocker gegenüber schaltet er die Konkurrenz aus. Gemeinsam zeigen die Charaktere auf dieser turbulenten Überfahrt, dass wirklich alles möglich ist. Mit vielen unerwarteten Wendungen wird das Stück zu keiner Zeit langweilig, sondern hält Zuschauer aller Art in seinem Bann gefangen. Die musikalische Darstellung sowie das Bühnenbild sind mit viel Liebe zum Detail in das Musical integriert und tragen so einiges zum Flair der 1930er-Jahre in New York bei.

Besonders hervorzuheben ist die Gestaltung und Umsetzung der Charaktere: Ihre Motive und Handlungsintentionen werden schnell deutlich und obwohl sie alle auf den ersten Blick oberflächlich und archetypisch wirken mögen, entwickeln sie im Verlauf des Stückes eine angenehme Tiefe. Sie bekommen eine greifbare Hintergrundgeschichte, die durch die Schauspieler*innen mit vielen Nuancen und sichtbarer Spielfreude vermittelt werden.
Vor allem der Gesang und eine spektakuläre Stepptanzeinlage stechen insgesamt positiv hervor.

Das Stück ist leicht zugänglich und führt trotz der Vielzahl relevanter Charaktere nie zu
Verwirrung. Es ist zudem äußerst amüsant und sorgt mit gut rübergebrachten Witzen und Running Gags für viele Lacher im Publikum. Jedoch gab es teilweise technische Probleme mit den Mikrofonen, die beim akustischen Verständnis zu kleinen Problemen führten. Auch die Sprachwahl bot Anlass zur Diskussion: Das Musical ist hauptsächlich auf Deutsch verfasst, wechselt allerdings in manchen Liedern ins Englische. Obwohl diese zweisprachige Fassung im Vorhinein angekündigt war, löste sie im Publikum ein polarisierendes Meinungsbild aus. Dabei war weniger das Textverständnis das
Problem als vielmehr die persönliche Erwartungshaltung der Zuschauer an eine durchgängig deutsche oder englische Inszenierung. Diese Aufführung von Anything Goes rettet den Geist der 1930er-Jahre erfolgreich ins Hier und Jetzt. Über kleine Mängel wie die Mikrofone oder die gewöhnungsbedürftige Mischung aus Deutsch und Englisch, lässt sich einfach hinwegsehen. Die Show überzeugt als Gesamtpaket – vor allem die exquisiten Tanzchoreografien. Es bleibt zu sagen: Wer sich nach nostalgischem Charme, intelligentem Humor und mitreißendem Entertainment fühlt, sollte sich ein Ticket kaufen und sich der Reise auf der MS America anschließen.

Gymnasium Großburgwedel

 

Kritik zur Oper „Don Giovanni“

Die Oper Don Giovanni wurde von Wolfgang Amadeus Mozart komponiert und gilt als „Oper aller Opern“. Die Uraufführung war 1787 in Prag. Für die Spielzeit 2025/26 hat Bastian Kraft die Oper neu inszeniert. Don Giovanni ist eine der meistgespielten Opern, doch durch die Künstlerin Anni von Bergen, die das Bühnenbild im Hintergrund live zeichnet, wird die Inszenierung zu einem besonderen Erlebnis.

Der erste Akt beginnt im Haus der adeligen Donna Anna. Der skrupellose Frauenheld Don Giovanni sucht sein nächstes Opfer. Vom Vater, dem Komtur, entdeckt, möchte Don Giovanni fliehen. Im Duell tötet Don Giovanni den Komtur, den Vater von Donna Anna. Don Ottavio wird von seiner Verlobten, Donna Anna aufgefordert, den Tod ihres Vaters zu rächen. Unerkannt gelingt es Don Giovanni mit seinem Diener Leporello zu fliehen. Kaum ist er entkommen, findet Don Giovanni sein nächstes Opfer. Die junge Bäuerin Zerlina wird umworben, obwohl sie sich auf ihrer Hochzeit mit dem jungen Massetto befindet. Donna Elvira, eine weitere ehemalige Geliebte von Don Giovanni, tritt auf und warnt die junge Braut vor dem gefährlichen Frauenheld. Der erste Akt endet mit einem Fest in Don Giovannis Haus, das er geplant hatte um Zerlina weiter zu verführen. Das Misstrauen wächst – Don Giovanni bleibt davon ungerührt. Doch dann wird er von allen enttarnt.

Im zweiten Akt verkleidet sich Don Giovanni als Leporello, damit niemand ihn erkennt. Dabei entsteht ein großes Chaos und der eifersüchtige Massetto wird verletzt. Leporello, der sich als Don Giovanni verkleiden muss, kann gerade noch entkommen. Don Ottavio will Don Giovanni bestrafen und Donna Elvira hofft, dass Don Giovanni seine Fehler einsieht. Auf dem Friedhof lädt Don Giovanni die Statue des toten Komturs zum Essen ein. Die Statue erscheint wirklich und gibt Don Giovanni die Möglichkeit, sich zu ändern. Aber Don Giovanni bereut nichts und wird deswegen in die Hölle gezogen.

Mozart schafft es mit seiner spektakulären Musik, die Zuschauer tief in das Stück hineinzuziehen. Auch die wundervollen Orchestermusiker der Staatsoper Hannover beeindrucken das Publikum. Das Bühnenbild wurde von einer Live-Zeichnerin gestaltet, die mit schwarzer Farbe auf weißem Hintergrund während der Aufführung zeichnete. Dadurch wirkte das Bühnenbild nie langweilig, denn es wechselte ständig. Manchmal wurde im Hintergrund Blut in schwarzer Farbe dargestellt. Die Live-Zeichnerin passte ihre Zeichnungen immer der jeweiligen Szene an. So hat das Bühnenbild durchgehend zur Handlung gepasst. Während Don Giovanni sanft sang, um Zerlina zu verführen, erschien im Hintergrund ein mit schwarzer Farbe gezeichneter Wolf. Dadurch konnte man erkennen, dass er sich wie ein „Wolf im Schafspelz“ verhält. Abschließend lässt sich über die Oper sagen, dass sie auch heute noch ein breites Publikum begeistert. Besonders die Live-Zeichnerin ist für alle interessant. Der Stil erinnert an die bei Jugendlichen beliebten Graphic Novels. Auch für Opernneulinge lässt sich dieser Opernbesuch empfehlen.

Marlene Hermann, Amelie Voigt, Sina Müller, Alma Alraee, Femke Runow
Opern AG des 8. Jahrgangs der IGS Isernhagen

 

Kritik zum Ballett „Schwanensee – Rotbarts Geschichte“

Das Ballett „Schwanensee. Rotbarts Geschichte“ von Goyo Montero, das derzeit in der Staatsoper Hannover aufgeführt wird, widmet sich der Vorgeschichte des Bösewichts aus dem klassischen Ballett „Schwanensee“. Während der erste Akt die Kindheit und Jugend des jungen Rotbart beleuchtet, zeigt der zweite Akt dessen Entwicklung zum grausamen Herrscher.

Gleich zu Beginn des ersten Aktes wird eine prägende Szene dargestellt: Rotbarts Vater tötet seine Ehefrau – Rotbarts Mutter. Dieses traumatische Erlebnis scheint den Grundstein für Rotbarts spätere Entwicklung zu legen. Der Gedanke eines „Kreislaufs der Gewalt“ drängt sich dabei deutlich auf.

Zunächst erfährt das Publikum jedoch mehr über den noch unschuldigen Rotbart. Er trennt sich von den beiden Hofnarren, mit denen er in seiner Kindheit viel Zeit verbracht hat, und begegnet schließlich den Schwänen. Kurz bevor diese Begegnung stattfindet, erklingt das berühmte „Schwanenthema“, während ein Videobild Rotbart im Wasser zeigt. Dieses eindrucksvolle und zugleich gewagte Bild kann als Symbol für den Übergang in eine andere Welt und das Ende seiner Kindheit verstanden werden. Manche interpretieren es sogar als Suizidversuch – eine Deutung, die sich mir persönlich jedoch nicht vollständig erschlossen hat.

Die Schwäne erscheinen anmutig, aber zugleich wild und ungezähmt. In der Begegnung mit ihnen wirkt Rotbart zunächst harmonisch, gefühlvoll und leidenschaftlich. Umso erschütternder ist die plötzliche Wendung: Rotbart tötet beinahe alle Schwäne. Diese radikale Tat erscheint zunächst schwer nachvollziehbar, lässt sich jedoch möglicherweise vor dem Hintergrund seines Kindheitstraumas deuten.

Der zweite Akt ist weniger als fortlaufende Handlung inszeniert, sondern besteht aus mehreren eindringlichen Szenen. Rotbart hält verschiedene Kreaturen gefangen und quält sie zu seiner eigenen Unterhaltung – kalt und sadistisch. Besonders die Szene der Gemini verkörpert eindrucksvoll das Leid der Opfer. Schließlich rächt sich der schwarze Schwan an Rotbart und mit dem Erscheinen eines neuen Prinzen setzt das Stück einen hoffnungsvollen Schlusspunkt.

Insgesamt überzeugt die Inszenierung durch ihre Modernität und die Vielzahl kraftvoller Bilder. Besonders die Choreografien haben mich beeindruckt – sie ließen die Musik auf der Bühne förmlich sichtbar werden. Auch die modernen Kostüme sowie das Bühnenbild, vor allem im zweiten Akt, empfand ich als äußerst gelungen.

Da es sich um das erste „Schwanensee“ handelt, das ich gesehen habe, bleibt mir diese Inszenierung als ein sehr eindrucksvolles und gelungenes Ballett in Erinnerung.

Uliana Sladkova, Jg. 12, Ricarda-Huch-Schule Hannover