Schüler:innenkritiken 2023/24

Schüler:innenkritiken zu „Carmen“

Georges Bizet (1838–1875) / Marius Felix Lange (*1968)
Oper in vier Akten in musikalischer Bearbeitung
für die Fassung von Barbora Horáková Joly und Martin Mutschler

Carmen | Foto und Copyright: Clemens Heidrich

„Carmen“

Am 27.September 2023 haben wir uns die Oper „Carmen“ von Georges Bizet in der Staatsoper Hannover angesehen. In der Oper geht es um eine spannende Liebesgeschichte zwischen Carmen und Don José, die im pulsierenden Ambiente des spanischen Sevilla spielt. Dabei trifft die Protagonistin Carmen, eine leidenschaftliche und unabhängige Zigeunerin, die viele Männer in ihren Bann zieht, auf den Soldaten Don José, der sie zunächst wegen eines Disputs verhaftet. Es beginnt eine intensive Liebesaffäre, wobei diese Beziehung zunehmend von Eifersucht und Leidenschaftsschwankungen geprägt wird.

Die gesamte Oper ist von der Schauspielkunst bis hin zum Bühnenbild und Gesang perfekt umgesetzt. Die Oper erstrahlt in musikalischer Brillanz, welche von der leidenschaftlichen Eröffnung bis zum dramatischen Finale konstant bleibt, wobei Liebe und Freiheit als Hauptmotive klar dargestellt werden. Die Melodien „L’amour est un oiseau rebelle“ und „La fleur que tu m’avais jetéee“ sind eingängig und berührend, und setzen die Stimmung und Emotionen der Charaktere perfekt in Szene. Das Bühnenbild von den sonnenverwöhnten Straßen Sevillas bis zu den dunklen, dramatischen Szenen in den Bergen hat mich direkt in das spanische Milieu eintauchen lassen, wobei die häufigen Szenenwechsel eine authentische und exotische Atmosphäre schaffen. Die Hauptcharaktere, insbesondere Carmen, sind tiefgründig und vielschichtig, was mir ermöglicht hat, mich mit den inneren Konflikten auseinanderzusetzen und mich mit ihnen zu identifizieren. Diese Charaktertiefe verleiht der Oper meiner Meinung nach eine menschliche Dimension, die in Erinnerung bleibt. Besonders gut dargestellt wird meiner Meinung nach die Beziehung zwischen Don Joseé und seiner Mutter, da an dieser Stelle klar geworden ist, wie hin- und hergerissen er zwischen der Liebe zu Carmen und der Rückkehr zu seiner Mutter ist.

Eine Sache hat mich allerdings bei aller Begeisterung gestört: In der Oper gab es den ständigen Ausruf „Hey!“ von den Nebencharaktern, die ich persönlich als störend und unpassend empfunden habe, da ich ihn für mich nicht klar einordnen konnte.

Zusammenfassend ist „Carmen“ ein musikalisches und dramatisches Meisterwerk, das mit seinen mitreißenden Melodien, beeindruckenden Bühnenbildern und vielschichtigen Charakteren die Herzen des Publikums erobert und seinen Platz in der Geschichte der Oper verdient. Mir hat die Oper sehr gut gefallen und ich würde sie jederzeit weiterempfehlen.

Leonie (Jg. 12, Georg-Büchner-Gymnasium, Seelze)

 

Carmen | Foto und Copyright: Clemens Heidrich

„Carmen“

Am 27. September 2023 haben wir uns die Neuinterpretation von Marius Felix Lange zu Georges Bizets (1838-1875) Oper „Carmen“ in der Staatsoper Hannover angeschaut. Die Fassung wurde zu Zeiten von Corona produziert und besteht aus diesem Grund aus einem Kammerorchester und keinem Chor.

In der Oper geht es um den Soldaten Don José, der sich unsterblich in Carmen verliebt. Diese soll wegen eines Streits verhaftet werden, wird aber von José befreit, welcher dafür selbst ins Gefängnis kommt. Nach seiner Freilassung will er, aus Liebe zu Carmen, ihr in ihre Freiheit folgen und desertiert. Doch bereits nach kurzer Zeit kühlt die Beziehung ab und Carmen verlässt José für einen Torero. Im vierten und letzten Akt will Don José Carmens Liebe zurückgewinnen, doch als diese ihn erneut zurückweist, tötet er sie. Im Verlauf des Stückes wird demnach Josés Weg in das Verbrechen dargestellt, vom desertierten Soldaten, der seinen Vorgesetzten tötet, bis zu seiner Bereitschaft, endgültig ein Leben in der Illegalität zu leben, um mit Carmen zusammen sein zu können.

Die Neuinterpretation des 1875 uraufgeführten Stücks ist sehr modern. Der Großteil der Handlung spielt in einem verlassenen Stadion und die „Zigeunerbande“ um Carmen wurde zu einer Straßenbande. Besonders haben uns hierbei die trotzdem vorhandenen Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart gefallen. So fuhren die Darsteller überraschenderweise mit Motorrädern über die Bühne und gleichzeitig wurde der Stierkampf so umgesetzt, dass jeder wusste, was gemeint war und es den ein oder anderen Lacher im Publikum gab. Auch die deutsche Erzählerstimme war sehr angenehm und hat immer wieder Aufmerksamkeit erregt. Aus persönlichen Gründen hat es mir des Weiteren sehr geholfen, der Handlung folgen zu können, da mein Sitzplatz das Mitlesen der deutschen Übertitel der französischen Texte so gut wie unmöglich machte. Außerdem besonders positiv hervorzuheben sind die Tänzer, insbesondere die halbnackten/nackten Tänzerinnen auf der dunklen, dunstverhangenen Bühne.

Insgesamt kann ich die Oper nur weiterempfehlen und die große Anzahl von Zuschauern in der Aufführung zeigt, dass ich wahrscheinlich nicht die Einzige mit dieser Meinung bin. Jedoch sollte man sich eventuell auf eben diese moderne und gekürzte Neuinterpretation vorbereiten, da es anders doch zu Verwirrungen kommen könnte.

Neele (Jg. 12, Georg-Büchner-Gymnasium, Seelze)

 

Carmen | Foto und Copyright: Clemens Heidrich

„Carmen“

Am Freitag, den 6. Oktober waren wir mal wieder im Opernhaus. Im Rahmen des Projektes „Tatort Oper“ erlebten wir als Saisonstart die Oper Carmen von Georges Bizet in der Fassung von Marius Felix Lange (*1969).

Carmen gilt als eine der erfolgreichsten und beliebtesten Opern überhaupt. So verwundert der Wunsch der Staatsoper Hannover trotz der Corona Pandemie vor drei Jahren eine Carmen aufführen zu wollen nicht, wenngleich in einer „abgespeckten Corona-Version“. Aus einem großen romantischen Orchester wurde ein Kammerensemble, der Chor wurde weggelassen und das Stück wurde von dem Komponisten Marius Felix Lange stark gekürzt, um den damaligen Corona-Auflagen zu entsprechen und die Carmen doch aufführen zu können. Da die Fassung sehr positives Feedback erhielt, wird sie jetzt, auch wenn Corona keine Rolle mehr spielt, wiederaufgeführt.

In der tragischen Oper in vier Aufzügen geht es um die Beziehung und das Liebesdrama zwischen der freiheitsliebenden Carmen und dem Soldaten Don José. In der Hitze Sevillas verliebt sich José in Carmen, möchte dies doch erst nicht zugeben. Sie verführt ihn, was zum Zwiespalt mit seiner Verlobten Micaela führt. Als der Stierkämpfer Escamillo in Carmens Leben tritt, wird Don José eifersüchtig, Es entbrennt ein Konflikt zwischen Carmen und Don José. Weil Carmen Don José die Liebe nicht schwören möchte, tötet er Carmen am Ende.

Das Bühnenbild bestand aus einem zufälligen Mix aus Straßenschildern, Leitplanken, Reifen, einem Ölfass, blinkenden Schildern und einer Freiheitsstatue. Repräsentiert werden sollte ein Stadion. Über die Aufführung hinweg änderte sich das Bühnenbild kaum. Ergänzt wurde es durch Leinwände an denen repetitiv kurze Nahaufnahmen von den szenenrelevanten Darstellern gezeigt wurden. War die Freiheitsstatue vielleicht etwas überflüssig, so konnten die Bildschirme durchaus als störend empfunden werden. Es ist nicht nötig, Nahaufnahmen der Personen zu zeigen, die ohnehin schon auf der Bühne singen. Dies lenkt eher ab. Uns waren Inszenierung und Bühnenbild zu modern und ablenkend. Für uns gehören blinkende Motorräder und Einkaufswagen in den örtlichen Supermarkt und garantiert nicht auf die Opernbühne. Dies mag aber Geschmackssache sein.

Definitiv nicht anzweifelbar ist, dass Carmen eine der größten romantischen Opern mit einem mächtigen, energetischen, kraftvollen, pompösen Orchester und einem feierlichen Chor ist. Wir fanden es gegenüber der Musik und Bizet geradezu respektlos, das Werk so zu entstalten. Wir haben Verständnis dafür, dass es aufgrund von Corona keine andere Möglichkeit gab, die Carmen aufzuführen. Doch hätten wir uns eine „richtige“ Carmen zu einem anderen Zeitpunkt gewünscht. Diese Oper „läuft ja nicht weg“. Man hätte stattdessen etwas aus der klassischen Ära, beispielsweise Mozart aufführen können. Wegen des ohnehin kleineren Orchesters und leichteren Klangs würden sich diese Opern viel besser in eine kammermusikalische Besetzung umarrangieren lassen.

Insgesamt waren die erbrachten Leistungen im schauspielerischen und gesanglichen Sinne sehr überzeugend. Besonders gefallen hat uns Young Woo Kim als Don José sowie Barno Ismatullaeva als Micaela. Ihre feinen Ausarbeitungen beeindruckten durch ihre dynamische Genialität sowie gefühlvoller Emotionen. Die Carmen hingegen fanden wir musikalisch eher unspektakulär. Dieses haben wir besonders deutlich bei ihrer bekannten Arie Habanera (Akt I) bemerkt, da sie diese tolle Arie eher „schulmeisterlich“ sang.

Die anwesenden Instrumentalisten aus dem Orchester haben die Oper toll begleitet, ebenso die sechs Tänzer, die das spanische Flair nach Hannover brachten. Das sehr präzise, feine, eher dezente Dirigat von Masaru Kumakura hat uns gut gefallen.

Zusammenfassend: Die moderne Inszenierung und immense Kürzung führten bei uns nicht zu einer Verzückung. Würde man die Handlung nicht im Voraus kennen, könnte es zu großen Verständnisproblemen kommen. Eine Oper muss für sich allein verständlich bleiben.

Musikalisch wurde uns zu viel verändert, eine Ouvertüre gehört an den Anfang!

Wenn man schon so eine tolle Oper wie Carmen aufführt, dann bitte ungekürzt und unbearbeitet.

Felix und Benedict (Jg. 9, Gymnasium Isernhagen)