Vorstellung der Spielzeit 2026/27: zwölf Punkte für Hannover

Volles Haus! Parkett und alle Ränge besetzt, es bestand für Karten eine Warteliste. Das Interesse an der neuen Saison der Staatsoper Hannover war riesig. Zu den Zuschauerzahlen gab es am Schluss des Abends dann noch eine tolle Nachricht. Zwei Sessel auf der Bühne, auf denen Intendant Bodo Busse und Chefdramaturgin Dr. Ann-Christine Mecke später Platz nahmen, um uns mit Witz durch die nächste Saison zu führen. Zu dem Geschehen auf der Bühne gab es farbenfrohe Standbilder aus dem Spielzeitheft. Untermalt wurde das alles durch Beiträge von Mitgliedern des Ensembles, begleitet von Franceso Greco am Klavier.

Vorstellung der Highlights der Spielzeit 2026/27 mit jeder Menge Einlagen aus aktuellen und künftigen Produktionen. – Foto (c) Achim Riehn

Zuerst aber kam der Chor der Oper auf die Bühne und sang sehr schön mit Gefühl und Energie einen Ausschnitt aus „Pique Dame“ von Tschaikowski. Aber das vermute ich nur, es gab keine Ansage dazu.

Bodo Busse ist auf der Bühne ein verschmitzter Entertainer, dem ich immer mit Freude zuhöre. Frau Dr. Mecke ist ein wunderbarer Gegensatz dazu, trocken und genau auf den Punkt. „Das Programm ist besser als der ESC gestern, zwölf Punkte sind garantiert.“ Mit diesen Worten leitete Bodo Busse den Abend ein. Die neue Spielzeit stellt den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt und gibt ihm eine Stimme, so lässt sich der rote Faden der Saison charakterisieren.

Dann begann ein munterer Reigen durch das Programm. Die Reihe der „Lied.Konzerte“ und der Kirchenkonzerte wird fortgesetzt. Neu werden Kerzenscheinkonzerte im unteren Foyer sein. Ein Videogrußwort des neuen Generalmusikdirektors Francesco Angelico wurde eingeblendet. Er freut sich auf seine Arbeit an der Staatsoper Hannover. In kurzer Zeit ist es gelungen, in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ein abwechslungsreiches und spannendes Konzertprogramm zusammenzustellen. Viele Werke nehmen Bezug auf die Opern, die auf dem Programm stehen. Um nur einige Höhepunkte zu erwähnen: Tschaikowski 5. Sinfonie, Liszt Dante-Sinfonie, Beethoven 9. Sinfonie, Mahler „Das Lied von der Erde“.

„Pique Dame“ von Tschaikowski ist die erste Premiere der Spielzeit. Diese Oper ist ein dunkles Stück über gesellschaftlichen Aufstieg, der nicht gelingt. Das Bühnenbild wird dies recht spektakulär abbilden. Die Rolle der Gräfin wird Helen Donath singen, die dem Haus seit Jahrzehnten eng verbunden ist. Anthea Barac sang dann eine gefühlvolle Arie aus dieser Oper. Wunderbar ihr durchsetzungsfähiger Alt, farbenreich, intensiv.

Eine weitere Premiere ist „La Cenerentola“ von Rossini. Auch in dieser Oper geht es um den gesellschaftlichen Aufstieg, aber voller Witz. Cenerentola beruht auf dem Märchen von Aschenputtel, aber es gibt keine Magie, dafür aber sehr dumme Bösewichter. Das ist eine quirlige Oper mit viel Slapstick. Cassandra Doyle vermittelte diese Stimmung sehr schön mit einer Arie daraus. Sie hat eine leichte, bewegliche Mezzostimme, sie singt klangschön und präzise, die Koloraturen leuchten wie Sterne.

Beethoven 200. Todestag ist ein guter Anlass, „Fidelio“ auf die Bühne zu bringen. Beethoven hat diese Oper unablässig überarbeitet, wie schauen wir heute auf diese Geschichte? Wie viel Leid können wir überhaupt wahrnehmen, und auf wie viel können wir reagieren? Es wird ein Beethoven „mit einem anderen Blick“ werden, die Originalmusik wird durch weitere Musik ergänzt, eine zeitgenössische Lesart entsteht. „Fidelio“ ist ein zentrales Werk der Klassik, die Themen sind auch heute noch aktuell. „Die Schönheit des Hässlichen müssen wir zeigen“, so hätte Bühnenbildner Olaf Altmann das geplante Bühnenbild beschrieben.

„Madama Butterfly“ von Puccini, eine Oper des Kernrepertoires, ist ein „Clash der Kulturen“, eine Oper über ein kulturelles Missverständnis. Eine Inszenierung muss einen Weg finden, mit diesen Fremdbildern umzugehen. Kiandra Howarth sang eine Arie der Butterfly, strahlend, mit Feuer in der Stimme, mit wunderbaren Piani.

Nach dem „Allegro barbaro“ (so Bodo Busse) der „Penthesilea“ von Dusapin wird in der nächsten Saison „Il Viaggio, Dante“ desselben Komponisten folgen. Das ist musikalisch eine ganz andere Welt, nicht barbarisch, sondern zart und leise. Die Oper erzählt die Lebensgeschichte des Dichters Dante. Die Inszenierung spielt in einer surrealen Bühnenwelt und ist sehr filmisch erzählend.

Wieder steht in der nächsten Spielzeit ein großes Musical auf dem Programm, diesmal „Kuss der Spinnenfrau“ von Kander. Zwei Männer in einer südamerikanischen Gefängniszelle träumen sich hinaus, in eine glamouröse Hollywoodwelt. Es ist ein großes Show-Musical mit politischen Inhalt. Katharine Mehrling wird die Rolle der Diva übernehmen.

Für alle Altersklassen gibt es dann auf der großen Bühne „Der Räuber Hotzenplotz“ von Sebastian Schwab. „Wir wollen Hänsel und Gretel mal etwas an die Seite geben“, meinte Bodo Busse. Das ist ein Stoff, der die Generationen vereint, mit einer musikalisch ganz eigenen, abwechslungsreichen Farbe. Daniel Eggert demonstrierte das ganz vorzüglich mit einer herrlich-witzigen Arie des Räubers Hotzenplotz.

„Ich, ich, ich!“ von Raquel García-Tomás, endlich einmal eine zeitgenössische komische Oper. Das wird ein witziger, turbulenter Abend im Ballhof. Es geht um Narzissmus unter Influencern und Bloggern, ein Stück also durchaus mit viel Realitätsbezug. Ebenfalls im Ballhof wird „Nur zu deinem Besten“ laufen, ebenfalls von Raquel García-Tomaś, eine Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Hannover. Helen Donath wird in dieser Mini-Oper über das Altern singen, ein sehr berührender Abend erwartet uns. „Ente, Tod und Tulpe“, ein Musiktheater im Ballhof Zwei für die ganze Familie von Leopold Dick, beschäftigt sich auf sehr poetische und sensible Art und Weise mit dem Umgang mit dem Tod.

Matthias Brandt und Siiri Niittymaa aus der Abteilung XChange erzählten dann über die Projekte der Musikvermittlung. Mit uns im Publikum studierten sie dann eine zweistimmigen Gesang mit komplizierten Rhythmus ein. Das funktionierte wunderbar, alle machten mit, eine sehr schöne Auflockerung. Francesco Greco gab dann Einblicke in seine Arbeit als Studioleiter. In dem von ihm betreuten Opernstudio hat vor einigen Jahren Clara Nadeshdin ihre Karriere begonnen, die in der Wiederaufnahme von „Lohengrin“ die Elsa singen wird.

Olga Jelínková sang eine Arie der Gilda aus „Rigoletto“, wunderbar leuchtend, bevor es mit dem Ballett weiterging. Ballettdramaturgin Anne de Paco kam dazu auf die Bühne. Alle sind wirklich begeistert über den Zuschaueransturm, den das Ballett in der laufenden Saison hat. „Nehmen Sie ein Abo, sonst bekommen Sie keine Karten“, witzelte Bodo Busse. „Romeo und Julia“ nach der Musik von Prokofjew in der Choreografie von Goyo Montero wird ein großes Handlungsballett werden. In „Morau/Montero“ vereinen sich zwei Choreografien von Marcos Morau und Goyo Montero. „Venezuela“, eine Choreografie von Ohad Naharin, ist etwas ganz Besonders. Zweimal wird dies getanzt, aber zu ganz unterschiedlichen Musiken. „Es ist etwas Besonderes, dass uns Ohad Naharin dieses abendfüllende Ballett anvertraut hat.“ In „Frameworks 1“ wird die Bühne freigegeben für Choreografien aus dem Ensemble selbst. „Schwanensee. Rotbarts Geschichte“ wird wieder aufgenommen, jede Vorstellung in der Spielzeit 2025/26 war ausverkauft. Mit einem wunderbaren Pas de deux aus „Goldberg“ verzauberten uns dann Diana und Carl van Godtsenhoven.

Dann kam Doris Beckmann auf die Bühne, die kaufmännische Geschäftsführerin des Staatstheaters. Sie hatte richtig gute Nachrichten. In der laufenden Saison hatte die Oper in den Vorstellungen über 350.000 Besucherinnen und Besucher, „so viele wie fast nie zuvor“. Ein Raunen ging durch das Publikum. Bei ihr und Bode Busse konnte ich die Freude darüber auf den Gesichtern sehen. Mit der neuen Saison wird die Oper diesen Kurs bestimmt fortsetzen, das ist jedenfalls meine Meinung.

Als wunderbaren Abschluss des Abends präsentierte uns der Kinderchor der Oper die Schlussszene aus „Hänsel und Gretel“, sehr berührend.

Die Karten für diese kurzweilige und informative Veranstaltung kosteten fünf Euro. Dafür gab es im Anschluss Getränke. An einem Tisch konnten direkt Abos abgeschlossen werden. Mitglieder des Ensembles und der Staatsoper mischten sich zum Plaudern unter das Publikum. Eine ganz wunderbare Gelegenheit! So kann die neue Saison anfangen, beschwingt gingen wir hinaus in den Frühlingstag.

Text: Achim Riehn

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